Die Verbindung von aufklärerischer Vernunft und Wissenschaft

Platon

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„Platon fragte: was ist Wissenschaft? indem er als diese Wissenschaft die erst bei den Griechen zur Wissenschaft gewordene Mathematik erkannte. Die Mathematik war die Wissenschaft, mit der er die Philosophie in Verbindung brachte; zu der er sie in Verhältnis setzte. Und dabei und dadurch begründete er die Logik, zuvörderst als die Logik der Mathematik. Von der Mathematik aus suchte er sodann einen Weg zur Physik und erweiterte demgemäß den Begriff der Logik. (...) In der Erörterung dieser Frage erfand er den fundamentalen Terminus seiner Philosophie, der das Grundwort der philosophierenden Menschheit geworden ist: die Idee. Und als die Hauptklasse derselben faßte er die mathematischen Ideen, das ,Mathematische‘ ... zusammen.“

Hermann Cohen, Einleitung mit kritischem Nachtrag zur neunten Auflage der Geschichte des Materialismus von Friedrich Albert Lange, Leipzig, 1914, S. 15f.

„Denn die Idee bedeutet das Gesetz, nichts anderes. (...) Der letzte Sinn des Gesetzes überhaupt ist Einheit, Erhaltung der Einheit im Wechsel und Werden; allgemein theoretisch: Erhaltung der Einheit als Gesichtspunkt des Denkens zur Auffassung des Vielen, Differenten, zu dessen Bergung in der Erkenntnis; ...“    

Paul Natorp: Platos Ideenlehre - Eine Einführung in den Idealismus, (1903 / 1922), Hamburg, Meiner Verlag 2001, S. 49f.

„Daß Platon seinen Erkenntnisbegriff nach dem Vorbild der Mathematik geformt hat, ist unverkennbar, und seine Ideenlehre verdankt der Mathematik nicht nur einzelne fundamentale Grundeinsichten, sondern sie ist in ihrer gesamten Struktur durch sie bestimmt.

Ernst Cassirer, Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit, Band IV, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, S. 19.

„Das ist … der Grundsinn der von Platon eingeführten und von Aristoteles übernommenen Unterscheidung, daß man eine Sache nicht an ihren Wahrnehmungsdaten, sondern an ihrem Werk (ergon), ihrer Leistung oder Funktion erkennt, und daß man dieses ‚Werk‘ nicht sieht, hört oder fühlt, sondern begreift.“   

Arbogast Schmitt, Die Moderne und Platon, Stuttgart, J. B. Metzler Verlag, 2008, S. 103.

„Hat denn jemand den Begriff der Gleichheit je gesehen, da er die gleichen Steine sah? Ehe wir also anheben zu sehen und zu hören und das Andere wahrzunehmen, musste in uns irgendwoher die Erkenntnis des Gleichen an sich entsprungen sein (…), was es ist, wenn wir die aus den Wahrnehmungen sich ergebenden Gleichheiten darauf beziehen konnten. … hier ist die Geburtsstätte des a priori, in der ganzen Naivität seiner Kraft.“

Hermann Cohen, Platons Ideenlehre und die Mathematik, Marburg 1877, S. 11.

„Je mehr Platon auch das mathematische Denken als eine Reihe logischer, wenn man will grundsätzlich unanschaulicher Denkschritte begriffen hatte, desto verwunderlicher mußte die Tatsache bleiben, die er gerade auf Grund jener Einsicht in ihrer ganzen Wichtigkeit erfaßte: daß man die unanschaulichen Sachverhalte an einer Figur, an sichtbaren oder, wenn es sich um gedrechselte stereometrische Modelle handelte, sogar anderartig handfesten ‚Abbildern‘ gleichsam ablesen konnte, daß also etwas so abstrakt geistiges in dem Sichtbaren verleiblicht war.“

Julius Stenzel, Platon der Erzieher, Hamburg, Meiner Verlag 1961 (1928), S. 165.

„The Neo-Kantians agreed with Plato that philosophy should be idealism.“

Christian Krijnen, Philosophy as philosophy of culture? in: Nicolas De Warren, Andrea Staiti (Eds.), New Approaches to Neo-Kantianism, Cambridge University Press, 2015, p. 112.

„‚Und noch die letzten Grundlagen, auch wenn sie euch zuverläßig erscheinen, man muß sie dennoch noch genauer prüfen. Und wenn ihr sie zureichend analysiert, dann folgt ihr dem Vernunftgesetz bis hin zu den Grenzen menschlichen Vermögens‘ (Phaidon 107 B). Diese Worte sind deswegen denkwürdige Worte, weil in ihnen, erstens, alle Philosophie als Aufgabe der Letztbegründung alles Wissens begriffen ist und weil in ihnen, zweitens, alle auf Letztbegründung ausgehende Philosophie als Idealismus definiert wird.

Karl Wagner, Kritische Philosophie, Königshausen & Neumann Verlag, Würzburg 1980, S. 42.

„Gewiss, die Idee wird im reinen Schauen gewonnen. Und dieses reine Schauen ist das reine Denken. Aber es ist doch also auch umgekehrt wahr, dass das reine Denken das reine Schauen sei.“

Hermann Cohen, Logik der reinen Erkenntnis, Berlin 1902, S. 5.

„Die Rückkehr zum Idealismus war, innerhalb der Philosophie der Renaissance, mit der Rückkehr zu Platon gleichbedeutend. Nicht nur der tiefste spekulative Denker der Renaissance, sondern auch ihre empirischen Forscher knüpfen an Platon an und sind bestrebt, seiner Lehre das gedankliche Rüstzeug zu entnehmen, mit dem sie eine ‚nouva scienzia‘, eine exakte Wissenschaft von der Natur aufzubauen versuchen. Nikolaus Cusanus, Kepler und Galilei folgen hier dem gleichen Wege.“

Ernst Cassirer, Descartes Lehre – Persönlichkeit – Wirkung, Hamburg, Meiner Verlag, 1995, S. 16.

„Von hier aus scheint mir Licht auf eine befremdliche Angabe zu fallen, die in der Geschichte der Philosophie überliefert wird: Platon habe den Ideen, zu deren Bewußtsein er sich erhoben, ein Dasein abgesondert von den Dingen, und (...) ähnlich dem Sein der Dinge zugeschrieben. (...) Nichts sonst wollte Platon lehren, als was wir oben durchgingen: die Geltung von Wahrheiten, abgesehen davon, ob sie an irgend einem Gegenstande der Außenwelt, als dessen Art zu sein, sich bestätigen, die immer sind, was sie sind, gleichviel ob es Dinge gibt, die durch die Theilnahme an ihnen sie in dieser Außenwelt zur Erscheinung bringen, oder ob es Geister gibt, welche ihnen, indem sie sie denken, die Wirklichkeit eines sich ereignenden Seelenzustandes geben. Aber der griechischen Sprache fehlte damals und noch später ein Ausdruck für diesem Begriff des Geltens.

Rudolf Hermann Lotze, Logik, Drittes Buch. Vom Erkennnen, Hrsg. Gottfried Gabriel, Meiner Verlag, Hamburg 1989, S. 513.

“Indeed, Plato’s account of the nature and objects of true philosophical knowledge was so influential that he can in many respects be called the father of rationalism.”

 John Cottingham, Rationalism, Paladin Books, London 1984, p. 13.

 

Tübinger Platon Archiv: https://uni-tuebingen.de/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/altertums-und-kunstwissenschaften/philologisches-seminar/forschung/tuebinger-platon-archiv/

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